Ein Klient kommt mit Angst vor Auftritten. Du erklärst kurz das Teilekonzept: Offenbar gibt es eine Seite in ihm, die diese Angst produziert, und eine andere, die sie gern weghätte.
Dann bittest du ihn, sich vorzustellen, dass der Teil, der die Angst macht, auf dem leeren Sessel gegenüber Form oder Gestalt annimmt. Es taucht etwas Schwarzes auf, wie ein Virus mit Tentakeln. Er sagt in Gedanken Hallo – der Virus winkt mit den Tentakeln zurück.
Auf die Frage nach seiner Absicht antwortet der Teil zuerst: „Ich möchte dich lächerlich machen.“ Du lässt weiterfragen, wofür das gut ist – Schadenfreude, Aufmerksamkeit, Ablenkung –, bis die positive Absicht sichtbar wird: Der Teil schützt ihn davor, allein gelassen zu werden. „Weil das noch schlimmer wäre, als ausgelacht zu werden.“
„Wie alt war ich, als du entstanden bist?“ – „Noch keine zwei Jahre.“ Es kommt ein Bild aus einem Krankenhaus. Ihr beide bleibt in der Gegenwart und schickt jemanden zurück, der stark, liebevoll und magisch genug ist, dass dieser Teil gar nicht entstehen muss. Er wählt Spider-Man. Der spannt sein Netz auf, der Kleine fühlt sich sicher, und schließlich bringt ihn die Krankenschwester zurück zu seiner Mutter. Spider-Man begleitet ihn weiter durch Kindheit und Jugend, überall dort, wo er sich allein gefühlt hat, bis in die Gegenwart. Dort nimmt der Klient den erwachsen gewordenen Kleinen in sich auf.
Der Blick zurück auf den Sessel: Der Teil nimmt wesentlich weniger Platz ein und sieht jetzt aus wie ein Apfel. Statt Angst schickt er ab jetzt Sicherheit und Neugier. In der Zukunft, in Situationen, in denen bisher die Angst gekommen wäre, fühlt sich der Klient sicher – und freut sich auf diese Erfahrungen, „weil das Wachstum bedeutet“. Ganz fertig ist es damit noch nicht. Aber damit lässt sich gut leben, und am Rest kann man weiterarbeiten.
Das ist der Tinkerbell-Prozess: ein Teil, seine positive Absicht, ein innerer Helfer – und am Ende Integration statt Kampf.